Die Jagd ist der edlen Vierbeiner größtes Glück

Von Ulrike Schmidt (Text) und Gert Westdorp (Fotos)

Neue Westfälische, vom 15.05.1993

Frauchen läuft voraus

Till freut sich schon auf den bunten Hunderenntag am kommenden Feiertag, mit dem der Windhundrennverein offiziell die Saison eröffnet Dann können nämlich alle Hundebesitzer aus nah und fern Ihre Bellos, Fifis oder Caros starten lassen. Vom Chihuahua über Mischlinge bis zur ausgewachsenen Dogge dürfen alte an den Start, wobei nach Rasse oder Größen getrennt wird, damit der Dackel nicht mit dem Schäferhund Schritt halten muft. Doch so einfach wie bei den Windhunden, die auf den Hasen reagieren, ist das bei anderen Rassen nicht Till hat sich erzählen lassen, daß die Besitzer selbst auf die Strecke müssen, um Ihre Hunde mit dem Lieblings-Spielzeug oder einem leckeren Hundekuchen zu locken. So manchem Zweibeiner ist dabei weit vor dem Ziel die Luft ausgeganger. Interessenten ohne Hunde sind ebenfalls zum Tag der offenen Tür am 20. Mai ab 11 Uhr eingeladen. Über Besuch freut sich der Verein aber auch an den Trainingstagen: samstags ab 14 Uhr und mittwochs ab 18 Uhr. Es macht einfach Freude, den schönen Rennern zuzusehen oder sie zu streicheln - natürlich nur mit Erlaubnis derHerrchen und Frauchen, die gerne über Zucht und Haltung Auskunft geben. Im Clubheim, bei schönem Wetter davor, werden Kaffee und Kuchen oder Gegrilltes angeboten. Die Einnahmen fließen in die Vereinskasse. Bisübermorgen

Windhundrennverein eröffnet Himmelfahrt die Saison Sie müssen nur das Schnarren der Hasenmaschine hören, und selbst der stärkste Zweibeiner kann sie nicht mehr halten. Die Windhunde bellen, jaulen, tänzeln und ziehen, nach der langen Winterpause wollen sie wieder rennen und Jagen, auch wenn der „Hase" nur ein Teddyfell ist. Seit 20 Jahren verfugt der Osnabrücker Windhundrennverein in Ostercappeln-Schwagstorf über ein 2.5 Hektar großes Gelände mit Rennbahn, um das Ihn viele Vereine aus der Bundesrepublik beneiden. Dort wird am Himmel-fahrtstag, 20. Mal, ab 11 Uhr mit einem Tag der offenen Tür und Rennen für alle Hunderassen die Saison eröffnet. Ab dann wird den Vereinsvierbeinern wieder regelmäßig mittwochs und samstags beim Training das größte Vergnügen geboten.

Windhunde sind ursprünglich für die Hetzjagd gezüchtete Haustiere, die Im Gegensäte zu anderen Hunden der Fahrte nicht mit der Nase nachspüren, sondern das Wild mit den Augen verfolgen. Es muß sich nur etwas bewegen -auf der Bahn der falsche Hase, im Herbst ein wehendes Blatt, und schon wird der jagdtrieb ausgelöst. Die für den Laien schönste Rasse Ist der üppig behaarte Afghane. Ihm stehen die russischen Barsois und die persischen Salukis mit ihren Fransen an Ohren und Schweif nicht nach, die schon auf alten ägyptischen Malereien zu sehen sind und als die ältesten Windhunde gelten. In der Schönheitskonkurrenz geraten die kleinen, kurzhaarigen Whippets leicht ins Hintertreffen, obwohl sie im Vergleich zur Große die schnellsten sind. Sie stammen aus England und sollen als„Windhund des kleinen Mannes" gezüchtet worden sein. Die. bekannten Greyhounds durfte zu früheren Zeiten nur der Adel halten, so daß sich die einfachen Leute ihre eigenen Hunde züchteten, um bis heute mit Ihnen der britischen Wettleidenschaft bei Rennen zu fronen.

Vereinsvorsitznde Gertrud Jänicke. die ihr Hobby zum Beruf machte und in Osnabrück einen Hundesalon betreibt, kam ausgerechnet über Pudel auf die Windhundzucht. Zehn Jahre züchtete sie bereits die gelockten Vierbeiner, als sich die Hundenarrin „Yalanda de Domus Animula" anschaffte. Zusammen mit „Bandorra Kohlhamer". die durch schlechte Hände ging, ehe sie sich in der liebevollen Fürsorge des vierten Frauchens von einem Beißer zur artigen Mutter entwickelte, stellte sie den Grundstock der erfolgreichen Zucht.

Ehe die edlen Renner auf die Bahn gelassen werden, müssen sie die Lizenzkarte, eine Art Windhundabitur, erwerben: An zwei Trainingstagen müssen sie zwei Läufe mit drei Hunden „sauber", das heißt ohne Knuffen und Schubsen, absolvieren. Da im Jagdeifer aber auch mit den besterzogensten Hunden die Pferde durchgehen, tragen sie bei Rennen grundsätzlich einen Maulkorb. Die Hascnmaschlne für die wahlweise 480 oder 280 Meter lange Strecke zeugt vom Erfindungsreichtum der zweibeinigen Tierfreunde: Mit Hilfe einer Modellflugzeug-Fernsteuerung lauft eine umgebaute Kettensage auf einet Schiene. Der Ausleger ist eine ganz normale Angelrute, an der der Teddy Hase befestigt wird. Wenn man Gluck hat, halt die „Beute" einen Trainingstag, wenn man Pech hat, nur ein Rennen. Und wahrend die erfahrenen Hunde in Vorbereitung auf die Saisoneröffnung schon zwei Laufe hinter sich haben, darf Barsoi Basil zum ersten Mal auf die Bahn. Füi den Anfang findet es der elfmonatige Rüde aber wesentlich spaßiger, neben dem mitlaufenden Frauchen herrumhopsen. Erst auf den letzten Metern nimmt er den Hasen wahr und spurtet los -auch ein Hundechampion muß üben. Wer einen Windhund hält, muß ihm Bewegung bieten, also zweimal wöchentlich auf der Bahn in Schwagstorf trainieren. Im Winter laßt ihr Bewegungsdrang automatisch nach, aber fm Sommer heißt es rennen. Wenn die Hunde nur. einen Samstag um 14 Uhr oder: Mittwoch um IS Uhr auf der Bahn waren, ist ihr Jagdtrieb neu geweckt: Jeden Samstag und Mittwoch der kommenden Monate werden sie pünktlich zu den Trainingszeiten unruhig und verlangen ihr Recht auf Spaß und Sport.