Auf vier Pfoten sind die Bahnen schnell gesprintet

Osnabrück (lö): Neue Osnabrücker Zeitung, Rubrik "Stadt Osnabrück", vom 02.08.2005

Die Hündin Kylie steht voller Erwartung in der Startbox. Für sie zählt im Moment nur eines: das wuschige Knäul, das, von einer Maschine gezogen, an ihr vorbeirast. Dann öffnet sich die Box, und sie flitzt los - fliegt geradezu über die Rennbahn.

Kylie ist eine Greyhound-Hündin und hat in Irland an Rennen teilgenommen. Dann ließen die Leistungen nach, sie wurde misshandelt und sollte - gerade einmal vier Jahre alt - zur Schlachtbank. Doch sie hatte Glück. Heute lebt sie bei Marion Langer und hat im Windhundrennverein Osnabrück (OWRV) neue Freude am Laufen gefunden. "Es geht hier nicht um Leistung", sagt die Osnabrücker Hundebesitzerin. "Aber Kylie blüht hier wieder richtig auf."

Jeden Samstag treffen sich die Mitglieder des OWRV zum Training auf dem Hundeplatz in Schwagstorf. Auf dem Platz tummeln sich zahlreiche kleine und große Hunde, helle und dunkle, aber alle sind sie gertenschlank. "Oft wird uns Tierquälerei vorgeworfen, weil die Tiere unterfüttert aussehen", erzählt Rennleiter Jörg Knudsen. "Aber das sind Sprinter, und die sind schlank. Wären sie unterernährt, würden sie keine Leistung bringen." Dem Image der "reichen Tierhalter, die ihre Hunde einsperren und auf Rennen ausrichten", will er entgegenwirken. "Heute kommen die Mitglieder von überall, weil sie das tolle Wesen der Hunde kennen gelernt haben." Für die meisten geht es nicht um Höchstleistung, sondern um den Spaß.

"Die Hunde laufen nur, wenn sie es wollen", sagt die 15-jährige Jennifer Müller. "Jeder Windhund hat zwei verschiedene Charaktere. Zu Hause sind die Tiere ruhig und bellen kaum. Doch wenn sie die Bahn sehen, dann wollen sie nur noch laufen - Jagdhunde eben."

So auch Tiger, der vor lauter Erwartung den anderen Hunden hinterherbellt. Dann wird ihm ein Maulkorb angelegt. "Den braucht er, weil er sich sonst an der Kaninchenattrappe festbeißen würde", sagt Knudsen. Tiger kommt in die Startbox. Per Fernbedienung wird eine umgebaute Straßenflex an einer Schiene neben der Bahn auf über 50 Kilometer in der Stunde beschleunigt (so schnell laufen die Hunde). Sobald das daran befestigte Stofftier an der Startbox vorbeirast, wird die Klappe geöffnet, und der Hund folgt seinem Jagdtrieb.

Jörg Knudsen weiß, dass man auch zu Hause mit dem Trieb der Tiere umgehen muss. "Ich muss meinen Hund gut kennen und, wenn ich ihn laufen lasse, aufmerksamer sein als er", sagt er. Wenn mal ein Hase kommt, müsse er schnell reagieren. Doch heute haben die Tiere freien Lauf und kreisen auf den 280- und 480-Meter-Strecken auf der Jagd nach neuen Bestzeiten.