Mit 70 Sachen auf der Jagd nach Plastikhasen

Von Horst Husemöller Lübbecke/Osnabrück

Neue Westfälische, vom 13.04.1994

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Wie der Wind... Die Afghanen machten am vergangenen Wochenende beim Windhunde-Coursing auf dem Gelände des Osnabrücker Windhund-Rennvereins ihrem Namen alle Ehre. Lutz Rohleff aus Lübbecke ist dort Rennleiter, zuständig für den gesamten organisatorischen Ablauf. Er selbst ist ein Windhundfan, wie er im Buche steht. In den Sommermonaten sind am Wochenende die Rennbahnen sein Zuhause.

Wenn Lutz Rohleff über Windhunde spricht, gerät er ins Schwärmen. Sie sind seine Passion und das erklärt, warum er von April bis Oktober praktisch an jedem Wochenende auf einer der insgesamt 42 Rennstrecken in Deutschland zu finden ist. Einen Totalisator gibt es nirgendwo, gewettet werden darf in Deutschland nicht. Dennoch gehen auch hierzulande Woche für Woche hunderte von Windhunden auf die Jagd nach dem künstlichen Hasen.So geschehen am vergangenen Wochenende auf dem Gelände des Osnabrücker Windhund-Rennvereins (OWRC). Rennleiter dieses Vereins ist Lutz Rohleff. Auf dem Gelände seines Vereins in Schwagstorf in der Nähe von Ostercappeln wurde allerdings dieses Mal kein Rennen ausgetragen. Der Schau am Sonnabend folgte am Sonntag das sogenannte „Coursing", bei dem zwei Hunde auf einer künstlich gelegten " Strecke einen Hasen verfolgen. Punktrichter beurteilen dabei ihr Jagdverhalten.

Die Windhundebesitzer müssen für ihre Tiere einen großen Aufwand betreiben, denn der für die meisten Artgenossen ausreichende tägliche Auslauf in Form eines Spaziergangs reicht diesen Leistungssportlern unter den Hunden nicht. Je nach Rasse sind sie bis zu 70, 80 Stundenkilometer schnell. Das allerdings nur, wenn sie gut austrainiert sind und kein Gramm zu viel auf die Waage bringen.

Lutz Rohleff kann das von seinen beiden Vierbeinern mit Fug und Recht behaupten. Die sechsjährige Madzy van't Laeterick, eine Whippet-Hündin, lief zwar in Ostercappeln noch hinterher, ist aber nach den Worten von Lutz Rohleff eine äußerst schnelle Hundedame. Schnell wird nach seiner Einschätzung auch sein knapp einjähriger Greyhound-Rüde Don Giovanni el Caesaris. Den durfte er bisher nur auf Schauen zeigen, doch da heimste er schon einige Preise ein. Am Ende dieser Saison bewirbt er sich um die Rennlizenz. Die bekommt er nur, wenn er auf den Bahn nicht spielt und seine Gegner nur im Laufen zu schlagen versucht. Seitenbisse sind nicht erlaubt. Wenn er dann zwei Jahre alt ist, darf er bei Rennen starten.

Wer jetzt das Bild vom einsatzfreudigen Wetter vor Augen hat, der muß das gleich wieder streichen, denn: Wetten sind auf deutschen Hunderennbahnen strengstens verboten. Wer erwischt wird, der darf nirgendwo mehr einen Windhund laufen lassen. Daher, so Lutz Rohleff, „werden bei uns die Tiere auch nicht verheizt". Die Gesundheit der Hunde sei das wichtigste überhaupt. Daher durfte am Sonntag beim Rennen in Schwag-storf auch kein Greyhound starten. „Die sind wegen ihrer großen Schnelligkeit beim Coursing zu verletzungsgefährdet", erläutert uns Lutz Rohleff.

Die Strecke wird mit Rollen aus Metall abgesteckt. Über die wird der Hase gezogen, die Hasenmaschine steuert die Geschwindigkeit des Köders, der je nach Kurs gewaltige Haken schlagen kann. Hat ein Pärchen den Hasen „gekillt", schnappt sich der Hasenausleger erneut den Hasen, bindet ihn an seine kleine Honda-Dachs, und legt so wieder den Hasen aus.

Abwechslungsreich sind diese Veranstaltungen vor allem durch die verschiedenen Rassen, die ins Rennen gehen. Das Starterfeld reicht von den Afghanen über die riesigen Borsois, die in Russland für die Wolfjagd gezüchtet werden, bis hin zu den eher zierlichen Whippets.

Am 12. Mai muß Rennleiter Rohleff im übrigen wieder ran. Dann startet ein „Jederhundrennen". 50 Meter werden gestoppt, mit Herrchen vorneweg. Ernst wird es für die Windhunde des Vereins am 19. Juni, dem offiziellen Bahnrennen über die 480-Meterdistanz. Mindestens 120 Tiere aus allen Windhundrassen werden an diesem Tag aus den Boxen schießen Auf der Jagd nach dem Hasen, der im übrigen deshalb aus jedem erdenklichen Stoff bestehen kann, weil Windhunde nicht mit der Nase, sondern mit den Augen jagen. Mit einer Blickwinkel von bis zu 260 Grad.